Die Allgäuerin – Finanztipps: Basis-Rente (Rürup) richtig einsetzen

Manuela Klüber-Wiedemann    November 8, 2017

Zum Jahresende ist das Thema Rürup-Renten wieder populär. Vor allem Freiberufler, Selbstständige und gutverdienende Angestellte sorgen mit Rürup-Renten fürs Alter vor und prüfen zum Jahresende noch die Steuer-Sparmöglichkeiten. Neben den Vorteilen gibt es auch etliche Nachteile, die man unbedingt kennen und in die Entscheidungen mit einbeziehen sollte. Wir zeigen Ihnen, worauf es beim Abschluss einer Rürup-Rente ankommt.

Die Rürup- oder Basis-Rente ist eine Form der privaten Altersvorsorge. Die staatlich geförderten Verträge erbringen eine lebenslange Rente – ähnlich wie die gesetzliche Rentenversicherung oder berufsständige Versorgungswerke.

Merkmale von Rürup-Verträgen:

Rürup-Verträge sind nie mehr kündbar – man ist lebenslang an einen Anbieter und seinen Vertrag gebunden.

• Unbedingt die Finanzstärke und Sicherheit des Anbieters prüfen.
• Kostenstrukturen und Anlage-Möglichkeiten innerhalb des Vertrags (Fondsauswahl, ETFs, Indexfonds, Garantie-Komponenten).
• Vertragsgestaltungsmöglichkeiten klären (Flexibilität, Zusatzversicherungen für Hinterbliebenenabsicherung usw.).
• Wer in einem »ungünstigen Rürup- Vertrag« steckt, kann beitragsfrei stellen oder auf Mindestbeitrag setzen.

In Rürup-Renten spart der Versicherte für seine eigene, lebenslange Leib-Rente mit seiner eigenen, individuellen Anlagestrategie – nicht wie bei der gesetzlichen Rentenversicherung per Umlageverfahren

• Anbieter und Tarif sind frei wählbar.
• Veranlagungsart frei wählbar.
• Fondsgebundene Rentenversicherungen bieten eine höhere Chance auf eine höhere Rente.
• Klassische Rentenversicherungen mit 0,9% Garantie-Zins rentieren sich nicht, weil die Vertragskosten höher als der Zins sind.
• Bei Fondspolicen unbedingt auf das Fonds-Universum und die Kostenstruktur achten.

Die Beiträge lassen sich als Vorsorgeaufwendung von der Steuer absetzen. Im Jahr 2017 können pro Person bis zu 23.300 Euro (Ehepaare 46.600 Euro) zu 84% abgesetzt werden.

• Das macht natürlich nur Sinn, wenn man auch einen hohen Einkommensteuersatz hat. Je mehr man verdient, desto mehr bekommt man vom Finanzamt zurück. Beispiel siehe Kasten
• Wer noch 12 bis 15 Jahre Zeit bis zum Rentenbeginn hat und bisher wenig vorgesorgt hat, kann mithilfe von Rürup-Renten noch eine substanzielle Altersrente aufbauen.
• Etablierte Selbstständige/Unternehmer können noch einige Jahre vor dem Ruhestand eine (günstige) Rürup-Rente abschließen, vor allem, wenn man noch wenig andere Rentenansprüche aufgebaut hat.
• Jungunternehmer mit unsicherer Einkommenslage und geringen Steuern profitieren nicht von Rürup-Verträgen.
• Persönliche Förderquote ermitteln lassen.

Die Rürup-Renten sind bis zum Jahr 2039 noch anteilig, ab 2040 in voller Höhe zu versteuern.
• Von der nachgelagerten Besteuerung profitiert, wer im Alter einen niedrigeren Steuersatz als während des Erwerbslebens hat.

Rürup-Verträge dürfen nur in Form einer lebenslangen Leib-Rente für einen Versicherten ab seinem (frühestens) 62. Lebensjahr ausgezahlt werden. Keine Kapitalabfindung und keinerlei Auszahlmöglichkeiten während der gesamten Laufzeit möglich, keine Beleihung/Verpfändung, keine freie Vererbbarkeit.
• Ehepartner und minderjährige Kinder lassen sich nur mit integrierten Zusatzversicherungen absichern, das geht zu Lasten der eigenen Rente. Ohne diese Absicherung »erbt« die Versicherungsgesellschaft.
• Bei Tod während der Rürup-Renten- Bezugszeit könnte man eine »Witwen/ r-rente« ähnlich der gesetzlichen Rentenversicherung oder eine Rentengarantiezeit
vereinbaren.
• Ungeeignet für Menschen, die sich Flexibilität, freie Vererbbarkeit und Zugriff aufs Kapital wünschen.

Beispiel:
Eine 52-Jährige (selbstständige) Frau mit einem Jahres-Gewinn von z.B. 100.000 Euro zahlt 15 Jahre lang 23.300 pro Jahr ein, insgesamt bis Rentenbeginn also ca. 372.000 Euro. Dann bekäme sie:

1. Einkommens-Steuer-Rückerstattungen von ca. 9.300 Euro pro Jahr – steigend (bis Rentenbeginn insgesamt ca. 170.000 Euro) und
2. Wenn sie einen richtig guten Anbieter wählt, eine lebenslange Monats-Rente von z.B. 1.720 – 2.000 Euro.

Faktencheck:
1. Persönliche Förderquote ermitteln
2. Finanzstarken und sicheren Anbieter wählen
3. Anlagemöglichkeiten (auf Wunsch Absicherungsstrategien und Garantien) innerhalb des Vertrags prüfen
4. Fondspolicen mit großem Fonds-Universum (auch ETFs und Indexfonds) wählen
5. Klassische Garantie-Rentenversicherungen sind meistens völlig unrentabel
6. Jahresmeldung der Beiträge der Steuererklärung beilegen
7. Vertragsprüfungen nach Sinnhaftigkeit und Wirtschaftlichkeit gibt es z.B. bei freien Sachverständigen für Kapitalanlagen und Altersvorsorge

Sie fragen, die Expertin antwortet!
Schreiben Sie Ihre Fragen zum Thema »Rürup-Rente« unter dem Stichwort »Finanzen« bis 12. November 2017 via Mail an dieallgaeuerin@ava-verlag.de oder mit der Post an AVA-Agrar Verlag Allgäu GmbH, Porschestraße 2, 87437 Kempten. Ihre Fragen werden von Manuela Klüber-Wiedemann anonym behandelt, jedoch schriftlich beantwortet.

Hier finden Sie den ganzen Artikel als PDF:
Basis-Rente (Rürup) richtig einsetzen