Die Allgäuerin – Finanztipps: Verluste garantiert

Manuela Klüber-Wiedemann    September 8, 2017

Das Dilemma mit den Niedrigzinsen ist nicht neu, aber noch immer groß: Anleger suchen nach rentableren Alternativen. Worauf man achten sollte, zeigt Expertin Manuela Klüber-Wiedemann aus Lindau.

Vor allem Frauen meiden »Geld-Themen« und gehören eher zu den konservativen Anlegern. Doch Nicht-Investieren ist auch keine Lösung, denn damit verliert man garantiert jedes Jahr ca. 2 % – an Kaufkraftverlust. Die Angst zum falschen Zeitpunkt das Falsche gekauft zu haben, sitzt tief. Doch auch wenn Aktien und somit Risiken vermieden werden sollen, machen fast alle Anleger seit Jahren schlechte Erfahrungen. Aufgrund der Niedrigzinsen haben vor allem sicherheitsbewusste Menschen Anleihen-Garantie-Fonds, Immobilienfonds, Mischfonds, Rentenfonds, Dachfonds, Multi-Asset-Fonds, Absolute- Return-Fonds oder auch Vermögensverwaltungen oder Zertifikats-Konstruktionen usw. empfohlen bekommen.

Die Namen dieser milliardenschweren Banken-Lieblinge sind vielversprechend und verheißen Rendite ohne hohe Risiken: »Garant« »Substanz« »Konservativ« »Inflationsschutz« »Struktur« »Ausgewogen « »Strategie« »Wachstum«. Doch Vorsicht: deren gemeinsamer Nenner: sehr hohe Kosten bei überwiegend schlechter Rendite und Management. Die in Faktenblättern und Prospekten ausgewiesene Wertentwicklung ist VOR KOSTEN. Verwundert reiben sich Kunden die Augen, die seit vielen Jahren Fonds, Vermögensverwaltungen oder fondsgebundene Policen besitzen, die noch immer weit unter Wert des eingezahlten Geldes liegen – und das, obwohl die Märkte in den letzten Jahren gut liefen, wie folgende Beispiele zeigen:

 

Grafik 1:
Dieser große, übliche Banken-Fonds (Volumen ca. 700 Mio.) mit der Strategie »Konservativ« hat eine 5-Jahres-Wertentwicklung VOR Kosten von -1,55% pro Jahr. Zuzüglich jährliche Fonds-Kosten von 1,33%. Macht also für den Anleger einen Gesamt-Verlust von -2,88% pro Jahr! Zählt man den Kauf-Ausgabeaufschlag hinzu, wurden aus 10.000 Euro in fünf Jahren 8.381 Euro. Das hatte sich der Anleger sicher anders vorgestellt. Unzufriedenen Anlegern werden unbefriedigende Ergebnisse immer mit schlechten Entwicklungen an Börsen oder Anleihemärkten erklärt. Doch diese Aussage lässt sich leicht auf Richtigkeit prüfen, indem man sich objektive Vergleiche einholt.

 

Grafik 2:
Vom selben Anbieter gibt es auch einen 1,6 Mrd. großen Dachfonds der Kategorie »Ausgewogen«, der Kosten von über 2% hat und seit mehr als 17 Jahren nur eine Wertentwicklung von 4% aufweist. Das bedeutet, dass die Anleger dieses Fonds, trotz des Aktien-Risikos und der damit einhergegangenen erheblichen Schwankungen, eine Netto-Wertentwicklung von 2% pro Jahr erzielt haben. In der selben Zeit haben vergleichbare Produkte der identischen Risikoklasse ca. 6% pro Jahr nach Kosten erwirtschaftet. Geld, das Anlegern entgangen ist.

 

Faktencheck:

• Produktnamen sagen nichts über Qualität aus.
• Hauseigene Bankprodukte sind meist kostenintensiv und unterdurchschnittlich.
• Produktinformationsblatt nach Kosten und Zusammensetzung prüfen.
• Je höher die Kosten, desto geringer die Rendite.
• Keine Ausgabeaufschläge bezahlen – diese sind meist verhandelbar.
• Objektive Produkt- und Fondsvergleiche sind unerlässlich.
• Nicht abwarten: Aus unsinnigen, teuren und schlechten Investments werden nie gute.
• Lieber in einen Berater investieren, der Kundeninteressen vertritt und frei von Verkaufs- und Provisionsdruck agieren kann.

INVESTIEREN HAT NICHTS MIT SPEKULIEREN ZU TUN

 

 

Generelle Anlagetipps

• Garantie-Produkte können aufgrund der Niedrigzinsen keine Rendite erwirtschaften. Eine Beimischung von Aktien ist also für Rendite unerlässlich.
• Anlagedauer und Renditeerwartung abklären, daraus resultiert der Aktien-Anteil, der beigemischt werden kann.
• Einzelne Aktien oder Anleihen bergen hohe Risiken, deshalb lieber in Form von günstigen Indexfonds oder physischen ETFs in bis zu 10.000 Unternehmen aller Themen und Branchen investieren.
• Kosten und Steuern im Blick behalten.
• Gold unterliegt höheren Schwankungen als Aktien, deshalb nur physisch und maximal 5% des liquiden Vermögens beimischen.
• Immobilien genau durchrechnen (oft unrentabel bei hohem Aufwand).
• Verbraucherschützer warnen seit vielen Jahren vor geschlossene Beteiligungen aller Art, Zertifikaten, Derivaten sowie jeglicher Art von Finanzkonstruktionen, bei denen man nicht mehr an sein Geld herankommt.

 

Sie fragen, die Expertin antwortet!

Schreiben Sie Ihre Fragen zum Thema »Verluste garantiert« unter dem Stichwort »Finanzen« bis 18. September 2017 via Mail an dieallgaeuerin@ava-verlag.de oder mit der Post an AVA-Agrar Verlag Allgäu GmbH, Porschestraße 2, 87437 Kempten. Ihre Fragen werden von Manuela Klüber-Wiedemann anonym behandelt, jedoch schriftlich

 

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Verluste garantiert