Westallgäu Plus – Finanztipps: Das Einmaleins der Altersvorsorge

Manuela Klüber-Wiedemann    Mai 20, 2018

Das Einmaleins der Altersvorsorge

Richtig rechnen, Finanzprodukte beurteilen und die individuell passende Strategie wählen: Das sind die Bausteine einer erfolgreichen Altersvorsorge.

Spätestens nach der Ausbildung oder dem Studium steht man vor der Frage, wie das nun richtig geht mit dem Aufbau der Altersvorsorge. Jedem ist klar, dass die gesetzliche Rente nicht reichen wird für einen ausfinanzierten Ruhestand und dass es sinnvoll ist, früh mit dem Sparen zu beginnen. Das Angebot, Auswahl und Verwirrung sind riesig und der erste Gang ist oftmals zur Hausbank oder zum Versicherungsvertreter und ruckzuck sind Bausparvertrag, private (Fonds-)Rentenversicherung und Riester-Police abgeschlossen. Die meisten jungen Leute haben wenig Lust darauf, liegt doch die Rente noch in fernen Galaxien und sie wollen das lästige Thema schnell hinter sich bringen. Doch es ist ein Fehler, sich nicht etwas ausführlicher mit der Thematik zu beschäftigen – es geht um sehr viel Geld! Wer früh die Weichen richtig stellt, wird mit weniger Aufwand ein Vermögen und einen ausfinanzierten Ruhestand aufbauen können, während sich die anderen mit nur geringen Zusatzrenten abfinden müssen.

Die optimale Vorgehensweise wäre, sich vor Vertragsabschlüssen gründlich zu informieren.

Riester-Zulagen:
unmittelbar berechtigte Personen: 175 EUR
Mittelbar berechtigte Personen: 175 EUR
Kind bis 2007 geboren: 185 EUR
Kind ab 2007 geboren: 300 EUR

Erstens: Optimale Nutzung der in den Unternehmen angebotenen Betriebsrente – Beratung hierzu müssen die Firmen anbieten. Oft gibt es Zuschüsse vom Arbeitgeber. Bei langen Laufzeiten empfehle ich Vertragsgestaltung mit Aktienfonds.

Zweitens: Riester-Förderung nutzen. Am besten sind reine (provisionsfreie) Fondssparpläne, günstige Banksparpläne oder provisionsfreie Netto-Tarif-Fondspolicen. Meiden sollte man teure fondsgebundene oder klassische Rentenversicherungen oder Riester-Bausparverträge. Riester-Sparen wird (je nach Steuersatz und individueller Situation) mit Zulagen und Steuer-Ersparnis gefördert. Allerdings passieren sehr oft Fehler, weil die Verträge nicht richtig eingerichtet und gestaltet wurden, um die vollen Zulagen zu erhalten – so entgehen den Familien Millionen von Fördergeldern, weil nicht »richtig«
eingezahlt wird.

Drittens: Aufbau von Vermögen zur Altersvorsorge ohne staatliche Förderungen. Keine Angst vor Aktien! Bei Anlagezeiten von mehr als 25 Jahren bis zum Rentenbeginn kann man sämtliche Crashs, Krisen und Schwankungen am Aktienmarkt aushalten und aussitzen. Wichtig ist eine breite Streuung in globale Märkte, Aktien aller Branchen und Länder zu kaufen. Das reduziert die Risiken. Ein global gestreutes Aktienpaket beinhaltet Aktien von fast 10.000 Firmen aus 46 Ländern und allen Branchen. Dies lässt sich mit Indexfonds und ETFs sehr günstig realisieren. Historisch gesehen haben die großen Aktien- Indizes im Durchschnitt ca. 10 Prozent Rendite gebracht, was die Inflation weit übertrifft. Wer noch etwas mehr Rendite wünscht und etwas mehr Schwankung aushalten kann, erhöht den Anteil an Schwellenländer-Aktien und Aktien kleinerer Firmen. Damit sind langjährig Renditen nach Kosten von ca. 12 Prozent pro Jahr zu erzielen.

Ein Depot bei einer online-Bank oder ein provisionsfreier Netto-Honorar-Versicherungsmantel erleichtert den Zugang zu Aktien. Bei Fonds ist darauf zu achten, dass man keine Ausgabeaufschläge bezahlen muss und dass die Innenprovisionen, die sogenannten »Kick-Backs«, nicht von der Bank oder dem Finanzberater einbehalten, sondern ausgeschüttet werden. Am besten ist es, man kauft gleich ETFs oder Indexfonds ohne enthaltene Kick-Backs. Teure, gemanagte Fonds schmälern die Anleger-Rendite um bis zu 3 Prozent (bei Dachfonds noch mehr).

Investment-Regeln:
• Lassen Sie die Märkte für sich arbeiten.
• Wer in den gesamten Aktienmarkt investiert, investiert in die ganze Welt und partizipiert von Weltwirtschaftswachstum, Forschung und Entwicklung über Jahrzehnte.
• Der Markt ist immer investiert – er geht nicht »rein und raus« – und genau das sollten Anleger auch tun – bleiben Sie investiert und sehen Sie den langfristigen Anlagecharakter, den man bei Aktien haben muss.
• Halten Sie die Kosten niedrig.
• Beherrschen Sie Ihre Emotionen
– bleiben Sie ruhig – und lassen Sie sich nicht von den Medien beeinflussen.

Unabhängige Beratung:
• Vor Vertragsabschlüssen gründlich zu informieren.
• Unabhängige Verbraucherportale wie z.B. www.finanztip.de oder auch die Seiten der Verbraucherzentralen sind gute Informationsquellen.
• Empfehlenswert sind auch unabhängige Beratungen von freien Sachverständigen für Altersvorsorge (gegen Honorar).
• Am Besten ist die Beratung dort, wo kein Verkaufsinteresse am Abschluss eines Produkts im Vordergrund steht.
• Manche Volkshochschulen bieten auch Kurse hierzu an (z.B. VHS Memmingen).

Nachstehende Tabelle zeigt auf, dass es eben nicht egal ist, ob man auf Sicht von 30 Jahren 2 Prozentpunkte mehr oder weniger für sein Geld bekommt:

Sparer 30 Jahre lang – 100 EUR im Monat
Renditeangaben immer nach Kosten
2 % Rendite 49.127 EUR
4 % Rendite 68.535 EUR
6 % Rendite 97.478 EUR
8 % Rendite 140.924 EUR
10% Rendite 206.440 EUR
12% Rendite 305.527 EUR

Fazit: Zunächst die staatlich geförderten Durchführungswege nutzen: Betriebsrente, BAV und Riester. Dann den konkreten Aufbau der Altersvorsorge mit günstigen Vehikeln und cleveren Indexfonds beginnen.

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Das Einmaleins der Altersvorsorge

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