Top oder Flop – Finanzprodukte auf dem Prüfstand Teil 6

Die Allgäuerin – Finanztipps
Ausgabe: Juni 2025

Vermögensverwaltungen im Kostencheck

Wer sein Geld nicht selbst anlegen möchte, kann zwischen Banken, Finanzvertrieben, Finanz-Maklern oder digitalen Robo-Advisern wählen. Doch die Angebote unterscheiden sich stark in Kosten und Rendite.

Bei größeren Vermögen bieten Vermögensverwaltungen Strategien, die sich an Risikoprofil und Anlagezielen orientieren. Klassische Banken setzen dabei meist auf Einzelaktien, Anleihen und hauseigene Fonds. Die Kosten für die VVW liegen je nach Anbieter zwischen etwa 0,5 % und 1,5 % zuzüglich Mehrwertsteuer. Doch konservative Banken-Vermögensverwaltungen schaffen es häufig wegen hoher Kosten und niedriger Zinsen nicht, das Kapital langfristig inflationsgeschützt zu erhalten.

Finanzvertriebe, Strukturvertriebe (wie MLP, DVAG, SwissLife, TELIS Finanz, OVB usw.) sowie Finanz-Makler dürfen aufgrund der Bafin-Vorgaben in der Regel nur Fonds-Vermögensverwaltungen anbieten. Diese Portfolios bestehen größtenteils ausschließlich aus aktiv gemanagten Fonds mit laufenden Fondsverwaltungsgebühren zwischen 1,5 % bis 2,5 % pro Jahr. Zusätzlich fallen für deren Auswahl und Überwachung noch die Vermögensverwaltungsgebühren an.

Schlimm:

Ein großer Teil der konservativ ausgerichteten Banken-Vermögensverwaltungen kann das Vermögen der Kunden langfristig nicht vor Inflation schützen.

Schlimmer:

Bei Finanzvertrieben summieren sich die Kosten durch aktiv gemanagte Fonds und zusätzliche Verwaltungsgebühren schnell auf 3,2 % bis 4 % pro Jahr. Noch teurer wird es, wenn Fonds mit sogenannter Performance-Fee genutzt werden. Diese verlangen bei Erreichen bestimmter Renditeziele weitere 10 % bis 30 % vom erzielten Gewinn, wodurch die Rendite auf Kundenseite weiter sinkt. Grund dafür sind hohe Innenprovisionen (Kick-Backs), die diese Fonds für die Vermittler besonders lukrativ machen.

Teilweise werden sogar eigene Fondsvarianten, eine Art KLON mit identischem Fonds-Namen, aber mit noch höheren Kostenstrukturen speziell für Finanzvertriebe aufgelegt. So liegen die Gesamtkosten solcher Fonds-Vermögensverwaltungen häufig bei rund 4 % jährlich.

Auswirkung auf Kosten:

Allein um den realen Wert des Vermögens zu erhalten – also die Kaufkraft zu sichern – ist bei 1,19 % Vermögensverwaltungsgebühren, 2 % Fondskosten, Steuern und 2 % Inflation eine Bruttorendite von mindestens 6 % erforderlich. Das ist mit konservativen Anlageformen nicht zu erreichen.

Für einen tatsächlichen Vermögenszuwachs wären Renditen von über 8 % nötig. Solche Erträge lassen sich in der Regel nur mit hohen Aktienquoten erzielen, die jedoch mit größeren Schwankungen verbunden sind.

Kostenbewusste Anlagelösungen bieten bereits bei geringeren Risiken attraktive Renditen – und bei Akzeptanz höherer Schwankungen sogar deutlich bessere Erträge.

Bessere Lösung:

ETF-Vermögensverwaltungen setzen auf kostengünstige ETFs (Fondskosten ca. 0,15 %–0,6 %) und eine transparente Verwaltungsgebühr von ca. 1 %. Sie bieten breite Streuung, Flexibilität und Transparenz. Honorarberater/innen (§ 34h GewO) arbeiten provisionsfrei und ausschließlich im Kundeninteresse.

Für kleinere Beträge bis ca. 50.000 € sind seriöse Robo-Adviser im Internet eine gute Alternative. Informationen gibt es zum Beispiel bei finanztip.de oder den Verbraucherzentralen.

Tipp:

Prüfen Sie immer die tatsächlichen Fondskosten mithilfe der WKN. Ein Depotcheck durch unabhängige Sachverständige kostet ca. 300 € und kann sich lohnen. Ein Verzeichnis zugelassener Honorarberater/innen findet sich unter https://hartmutwalz.de oder bei den Industrie- und Handelskammern.

Vergleich verschiedener Vermögensverwaltungen

Art der Vermögensverwaltung (VVW) Fondskosten Verwaltungsgebühr Gesamtkosten Ergebnis nach 15 Jahren*
Klassische Banken-VVW ca. 1,5 % 1,19 % 2,69 % 704.273 €
Fonds-VVW mit normalen aktiv gemanagten Fonds ca. 1,8 % 1,19 % 2,99 % 673.924 €
Fonds-VVW mit Performance-Fee-Fonds ca. 2,81 % 1,19 % 4 % 580.484 €
ETF-VVW von Honorarberatern ca. 0,4 % 1 % (inkl. MwSt) 1,5 % 837.674 €

*vor Steuern

Beispiel: 500.000 Anlagesumme, 15 Jahre Laufzeit, ausgewogenes Portfolio (60 % Aktienquote), 5 % Wertentwicklung vor Steuern.

Info-Kasten:

Jeder Investmentfonds ist bereits eine Art »Mini-Vermögensverwaltung«, da er viele Wertpapiere bündelt. Aktiv gemanagte Fonds kosten dafür jährlich etwa 1,5 % bis 2,5 %. Kommen noch Verwaltungsgebühren hinzu, sind Gesamtkosten von über 3 % pro Jahr keine Seltenheit.

Der Original-Artikel wurde im Magazin „Die Allgäuerin“ veröffentlicht (www.dieallgaeuerin.de).

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