Spekulationsblasen - früher und heute

Die Allgäuerin - Finanztipps
Ausgabe 02/2022

Was haben Tulpenzwiebeln, Kryptowährungen, bestimmte Aktien, Immobilien und Silber gemeinsam? Alle waren oder sind Akteure bei Spekulationsblasen.

400 Jahre Wirtschaftsgeschichte lehrt uns das immer gleiche »Spiel«: Künstlich angeheizte Nachfrage heizt die Preise an, die immer höher steigen – bis die Marktteilnehmer den Spuk nicht mehr mitspielen und die Blase platzt. Beispiele:

Tulpenhysterie Holland

1600 – 1637. Eine einzige Tulpenzwiebel der Sorte Semper Augustus kostete im Jahre 1623 ca. 1.000 Gulden, der Preis stieg bis auf 10.000 Gulden – bevor die Blase dann im Februar 1637 platzte. Zum Vergleich: Der Jahresverdienst eines Amsterdamers zu dieser Zeit betrug 150 Gulden. Die allerteuersten Häuser an der Amsterdamer Gracht kosteten damals 10.000 Gulden. Das 67-fache eines Arbeiter-Jahreslohns. Adaptiert auf die Gegenwart sehen wir dieselben Entwicklungen und irren Übertreibungen bei Kryptowährungen, bei bestimmten Aktien (z. B. Tesla), aber auch bei manchen Immobilien.

Kryptowährungen

Am 11.11.21 kostet ein einziger Bitcoin 56.853 Euro. Zum Vergleich: Das Durchschnitts-Netto- Einkommen in Deutschland liegt bei 25.000 Euro! Doch was ist ein Bitcoin eigentlich? Ein virtuelles, nicht real existierendes Nichts. Sie sind nicht vergleichbar mit dem geplanten digitalen Euro der Regierungen, denn dieser ist durch Verbindlichkeiten gegenüber den Zentralbanken hinterlegt. Eine Tulpenzwiebel hat man wenigstens noch »verstehen« können. Es ist also absehbar, was mit Kryptowährungen langfristig passieren wird. Alle machen mit im Karussell, so lange, bis es zusammenbricht.

Aktien

Starke Übertreibungen finden wir auch bei manchen Aktien: Die Tesla- Aktien haben einen Börsenwert von über 1 Billion US-Dollar. Das Unternehmen macht erst seit dem 2. Quartal 21 überhaupt Gewinne und kostet an der Börse das über 1.000-fache seines Vorjahres- Unternehmens-Jahresgewinns.

Immobilien

Ein qm Eigentumswohnung in München kostete im Jahr 2010 ca. 4.500 Euro, das Durchschnittseinkommen lag bei 18.000 Euro/netto. Für ein Jahreseinkommen bekam man ca. 5 qm Wohnung. Inzwischen kostet ein qm bis zu 20.000 Euro – die Durchschnittseinkommen liegen bei 25.000 Euro/netto. Dafür bekäme man nicht mal 1,5 qm. Bei einer »normalen « inflationsbedingten Steigerung der Immobilienpreise um jährlich 3,3 % müsste der Preis nun bei ca. 5.000 Euro/qm liegen und das Verhältnis 5 qm/Jahreseinkommen würde wieder stimmen.

Fazit

Wer soliden Vermögensaufbau und -erhalt (nach Inflation) wünscht, vermeidet Spekulationen und achtet sehr genau darauf, wie fair die Bepreisung ist. Das bedeutet, bestimmte Trends nicht mitzumachen und keine Angst zu haben, etwas zu verpassen. Langfristig wird diese Strategie erfolgreich sein. Denn nach dem Platzen der Blase heißt es für die Spekulanten: »Wie gewonnen, so zerronnen!«

Definition Spekulationsblasen

Wenn Marktpreise völlig irrational abgekoppelt und losgelöst von normalen Teuerungsraten, Einkommensverhältnissen, Unternehmensbewertungen, Buchwerten oder tatsächlich vorhandenen Werten sind. Die Preise steigen bis ins Aberwitzige, um danach auf ihren tatsächlichen Wert zurückzukehren.
Verlauf in 5 Phasen:
1: Verlagerung: neues Thema (niedrige Zinsen, neue Technologien, Krypto…)
2: Boom: Preise steigen immer schneller – es investieren immer mehr – auch durch entsprechende Berichterstattung.
3: Euphorie: Die Preise steigen nur noch aufgrund der steigenden Nachfrage und haben nichts mehr mit dem eigentlichen Wert zu tun – alle machen mit aus Angst, etwas zu verpassen.
4: Not-Situation: Insider verkaufen, danach fallen Preise, andere müssen verkaufen – es kommt zu Panik-Verkäufen und zu immer schnellerem Preis-Verfall.
5. Panik und Abscheu: Investoren haben ihr Geld verloren – Ernüchterung und Insolvenzen prägen die Wirtschaft, die Realwirtschaft wird kurzfristig in Mitleidenschaft gezogen – bevor es wieder zur Normalisierung/Erholung kommt.

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